Nach gründlichem Studium aller Wettervorhersagen für dieses Wochenende haben wir – Ricco Dunsch, Wolfram Tschuck, Steffen Jackstien, Thomas und Holger Wegner und als „Neuer“ Rene Schade (der 3. Halbestädter !)- uns schnell geeinigt das geplante Ziel - Jubiläumsgrat - (Überschreitung von der Zugspitze zur Alpspitze) bei besserem Wetter zu versuchen und ein Ziel in Angriff zu nehmen, wofür die Vorhersagen relativ gut waren.
So ging es am Donnerstagmorgen zügig gen Gardasee, 13.30 Uhr
begannen wir bereits auf einem wunderschönen, mitten in
Weinplantagen gelegenem Zeltplatz, 2 km vor Arco, die Zelte
aufzubauen.
Eine Stunde später waren wir bereits am Fuße des Via dell Amicizia,
um von Riva aus diesen herrlichen Klettersteig über den Dächern von
Riva zu bezwingen. Nach einer reichlichen Stunde Berg-Anmarsch
hatten wir dann die für diesen Steig bekannten senkrechten Leitern
(40 und 70 m lang) erreicht und ohne Probleme ging es dann immer
senkrecht bergauf, die Stadt Riva, den nördlichen Teil des Gardasees
mit vielen, vielen Seglern und Surfern im Rücken und weit unter uns.
Gegen 17.30 Uhr war dann der Cima SAT (1276m) bezwungen und damit
ca. 1200 Höhenmeter bei dieser „kleinen Einlauftour“ zurückgelegt.
Bergab auf einem recht steilen und kurvenreichen Wanderweg trieb uns
dann der Durst (im Schatten waren es bestimmt noch 25 Grad), der
Hunger und die bald hereinbrechende Dunkelheit ganz schnell nach
Riva.
Nach einer Runde zu Trinken, dem herrlich erfrischendem Bad im
Gardasee, Meloneessen bis zum Abwinken (auf dem Markt in Riva war
zufälligerweise an dem Abend großes Melonenfest, wo an alle
Hungrigen Melonenstücke bis zum Sattwerden verteilt wurden) und der
in Italien obligatorischen Pizza ging es ohne Nachttrunk ins Zelt.
Das Ziel für den 2. Tag war das Gebiet um den Monte Bondone, ein
Skigebiet oberhalb von Trento mit 2 recht anspruchsvollen, jeweils
4,5 Stunden angegebenen Klettersteigen.
Nach einem für Bergsteiger sehr spätem, aber gemütlichem Frühstück
in Arco waren wir dann erst 10.30 am Beginn des Aufstieges Richtung
Palon Nordgrat (Klettersteig Sentiero attrezzato Degasperie). Nach
einer guten Stunde Umherirrens um den Anfang zu finden, ging es dann
auf einem landschaftlich reizvollem Weg, der noch teilweise durch
Gerölllawinen verschüttet war, oberhalb von Trento, zum Zustieg.
Über herrliche Kletterstellen, teils auch nur per Kraftakt zu
bewältigen, ging es dann in 1,5 Stunden bis auf 1950 m Meereshöhe.
Die Versuche von Ricco und Wolfram alles per Klettern und ohne
Unterstützung der angebrachten Steighilfen zu bewältigen,
scheiterten auf Grund der Schwierigkeiten recht bald.
Da es insgesamt doch länger als geplant dauerte, beschlossen wir,
den 2. langen Steig nicht anzugehen, sondern den kurzen, dafür aber
knackigen Sportklettersteig Rio Sallagoni unterhalb der Burg von
Drena zu bewältigen. Und das hat sich gelohnt: schon in der Schlucht
haben Ricco, Thomas und Wolfram mit ihren Füßen das Wasser
„getestet“, dann ging es am abgeschliffenen Steilfels auf recht weit
auseinander stehenden Eisenbügeln, teils auch mächtig überhängend,
steil bergauf.
Höhepunkt war eine ziemlich schwankende Dreiseil-Hängebrücke, bei
der niemand von uns die leichtere Umgehung nutzte.
Es war einfach eine phantastische, sportliche Herausforderung, nach
der dann die Pizza, diesmal in Arco, wieder klasse schmeckte. Bei
einem guten „Gläschen“ (Becher der Thermoskanne bzw. direkt aus der
Flasche) Rotwein von „unserem“ Weinberg ließen wir den gelungenen
Tag ausklingen.
Der nächste Tag führte ins wieder etwas nördlich von Arco nach
Pietramurata zum laut Klettersteigführer schönsten Steig „Via
ferrata Ernesto „Che“ guevara“.
Und es war wirklich ein grandioser Steig: ca. 5 Stunden lang, sehr
gut gesichert, nicht allzu schwer, mit sehr vielen Kletterstellen
und Leitern und immer mit Blick ins Tal. Problem an diesem Tag war
mehr die Ausrüstung unseres „neuen“ Bergfreundes Rene: Einen vorher
geplanten vollständigen Ausrüstungs-Check (vom Steigeisen bis zum
Helm) lehnte er ab und seine Bergschuhe aus den Zeiten von Luis
Trenker fielen uns nicht auf. Jedenfalls lösten sich nach einer
Stunde auf diesem Steig (ca. 500m über dem Einstieg) die Sohlen an
einem Schuh völlig und am anderen teilweise ab, glücklicherweise war
unser Arzt und Verbandsspezialist Tomas mit dabei, mit Tape,
Riemchen und Kabelbinder hielten die Schuhe bis zum Ende des Tages
!!! (Tipp für den Rucksackinhalt: Tape und Kabelbinder).
Nach den trotz des vielen Schweißes herrlichen 4,5 Stunden in voller
Sonne fanden wir am Ausstieg eine wunderschöne riesige Almwiese mit
einer (geöffneten) Refugio vor, die 1. Runde zahlte natürlich Rene,
sein von ihm auf den Gipfeln auf die Anfrage „Rene, geht`s noch“ oft
gehörter Spruch („noch 10 mal hoch und runter“) kam ihm heute nicht
über die Lippen.... Noch größer wurde die Stimmung als er auch noch
seinen Einstand aus dem Rucksack packte: eine Literflasche
Jägermeister !!!
Vertrauend auf unsere guten Orientierungskenntnisse (ohne
Wanderkarte) und nach den paar Schlucken Jägermeister nahmen wir
dann einen Abstieg, der uns in ein völlig falsches Tal führte – als
wir nach dem Weg zum Auto fragten, hörten wir immer nur „Madonna,
Madonna...“ Da wir auch nicht wieder bergan steigen wollten, begaben
sich Thomas und Ricco per Anhalter zu den Autos und kamen uns nach
ca. 2 Stunden entgegen und holten uns ab.
Der Abend endete dann wie immer – Pizza, Pasta, Bier und Rotwein.
Gegen Mitternacht sahen wir dann auf dem Zeltplatz bei der Flasche
Rotwein wahrscheinlich noch prima erholt aus, so dass eine andere
Zeltbewohnerin uns fragte „gesportelt seid ihr aber heute nicht
viel, oder ?“, und dies nach einer 9stündigen Wanderung mit ca. 1400
m Aufstieg...
Am Sonntag, dem 19.8. hieß es dann schon wieder vom Gardasee
Abschied nehmen. Um noch einen Klettersteig zu machen, nahmen wir
deshalb das recht spartanische (nur süße) Frühstück in Trento ein.
Der wirklich ganz trockene Bach „Rio secco“ in Dosson sollte unser
letzter und laut Führer der schwerste Klettersteig (K5 auf der
6teiligen Skala) sein.
Einige Stellen erforderten richtige Armkraft, aber durch unsere
Stiege an den voangegangenen Tagen meisterten wir das recht
problemlos und sehr schnell, so dass wir in der am Zustieg liegenden
Gaststätte bis um 12 Uhr noch 10 Minuten warten mussten, auf ein
umso leckeres Pastaessen mit Muscheln und anderen Meeresfrüchten.
Damit hatten wir genügend Kraft getankt um in 7,5 Stunden nach einer
problemlosen Autofahrt Sonntagabend wie der in Königstein und
Umgebung anzukommen.
So ging ein ereignisreiches verlängertes Wochenende mit 5
bewältigten schwierigen Klettersteigen und insgesamt ca. 4100
Höhenmetern zu Ende.
Die nächsten Ziele für 2008 stehen natürlich auch schon: je nach Wetterlage der Jubiläumsgrat, ein Schweizer 4000er (Nadelhorn ?) oder aber der Triglav in Slowenien mit einer Canoning-Tour.
Holger Wegner